Peter Buchenau auf der Leipziger Buchmesse 2018 im Interview mit David Vandeven von Ostsachsen.TV

Dieseln oder nicht Dieseln? Das ist keine Frage!

April 2018 / Online Ausgabe

Hilfe Schreie lassen mich aus meinen Schlaf aufschrecken. Sofort nehme ich einen verbrannten Rauchgeruch war. Ich stürze zum Fenster und auf der gegenüberliegenden Straßenseite brennt das Haus lichterloh. Menschen irren schreiend und hilflos auf den Straßen herum, wartend auf die Feuerwehr. Panik macht sich breit. Vergebens, die Feuerwehr kommt nicht und das Haus brennt bis auf die Grundmauern nieder. Bald Zukunft? Ja. Laut einer Umfrage im Jahr 2018 werden 99% der Feuerwehrfahrzeuge mit Dieselmotoren ausgerüstet. Mit einem Dieselfahrverbot dürfen auch diese Fahrzeuge nicht mehr zum Einsatzort fahren. Erschwerend kommt hinzu, dass 75% der Feuerwehrretter ebenfalls Dieselfahrzeuge privat besitzen und im Falle eines Notfalls erst gar nicht zu den Einsatzfahrzeugen gelangen. Gut, nun werden Sie sagen: „Das ist was ganz anderes“. Dafür gibt es dann bestimmt Regeln und Ausnahmen. Nun, wie viele Ausnahmen wollen Sie zulassen? Schauen wir doch mal zur Bahn, wie viele Dieselloks verkehren noch auf Deutschlands Schienen? Wie viele Dieselschiffe, verkehren rein auf Deutschen Gewässern? Von den großen Kreuzfahrtschiffen und Container Schiffe in internationalen Gewässern wollen wir erst gar nicht reden. Und ist das Ganze wieder ein rein deutsches Problem? Schauen wir doch mal nach Frankreich, Italien, Polen und weitere EU-Staaten? Was passiert mit dem Dieselfernverkehr? Dürfen diese Dieselfahrzeuge in die Städte einfahren? Ist die Grundversorgung der deutschen Bevölkerung an Lebens- und Nahrungsmittel noch gesichert? Und wenn das wieder ein deutsches Problem ist und die Nachbarstaaten sich nicht den Fahrverboten von Dieselfahrzeugen anschließen, bleiben die Schadstoffe auch in diesen Ländern? Hört der Wind an der Grenze auf zu blasen?

Ich bin Berater und Schauspieler und lege rund 70‘000 Kilometer pro Jahr auf europäischen Straßen zurück. Ich bin auf das Auto angewiesen, allein wegen des Bühnenequipments. Mein Dieselfahrzeug verbraucht rund 6 Liter auf 100km, was bei einer Fahrleistung von 70000km rund 5000 Euro Dieselkosten bedeutet. Mein Fahrzeug gibt es vergleichbar mit Benzinmotor. Allerdings gibt der Hersteller den Verbrauch auf 9 Liter pro 100km an. Bei gleicher Rechnung ergibt das Mehrkosten von 3500 Euro netto. Ich bin mir sicher, dass viele meiner beratenden, freischaffenden Kollegen oder viele Kleinunternehmer diese Rechnung aufgestellt haben. Ein Abschied vom Dieselmotor und auf benzinbetriebene Antriebsarten umzusteigen oder gar auf Elektromobilität oder Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sind auf Grund der hohen Verbrauchs- und Anschaffungskosten sowie der geringen Reichweite noch keine Alternative.

Aus diesem Grund muss ich Christian Lindner recht geben, wenn er von Enteignung von Kleinunternehmern in Deutschland spricht.

Und selbstverständlich trifft es wieder mal die Kleinen. Diese Maßnahme lässt die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinander gehen. Aus meiner Sicht wirft das Dieselfahrverbot mehr Fragen als Lösungen auf. Wieder einmal werden die Kleinen Opfer unüberlegter Schnellschüße einer handlungsunfähigen, nur auf eigenen Profit ausgerichteten Regierung. Mich würde mal interessieren, wie die Richter entscheiden würden, wenn ihr Haus brennt. Deshalb ist „Dieseln oder nicht Dieseln“ für mich keine Frage. Ich gehe weiter mit meiner Diesel Jeans in den Innenstädten einkaufen.

 

 

Peter Buchenau: ein Gespräch über Menschlichkeit im Zeitalter der Digitalisierung

Februar 2018 / Online Ausgabe

Peter Buchenau: ein Gespräch über Menschlichkeit im Zeitalter der Digitalisierung
Peter Buchenau ist nicht so einfach schubladisierbar, denn Peter Buchenau ist viele und vieles. Auf der einen Seite gilt er als Indianer in der Deutsch und Schweizer Redner-, Berater- und Coaching-Szene. Man sagt ihm das nach, da er es wie kaum ein anderer versteht auf sein Gegenüber einzugehen, zu analysieren, zu verstehen und zu fühlen.

 

Führungsfehler – So treiben Chefs mit System Ihre Mitarbeiter in den todsicheren Burnout! Fortsetzung Tipp 5-7 von 52

November 2017 / Online Ausgabe

Tipp 5: Behalten Sie wesentliche Informationen für sich
Wissen ist Macht! Das ist das Erfolgsrezept der Anti-Chefs. Je mehr Wissen und Kenntnisse Sie haben und desto weniger Informationen Ihre Mitarbeiter haben, umso mehr steigt die Unverzichtbarkeit. Sie geben auf keinen Fall Ihr Wissen preis, denn Wissen abgeben, Andere stärken – nein, das gehört sich nicht. Schlussendlich haben Sie sich ja auch Ihren Wissensschatz über Jahre hinweg angeeignet. Ihnen hat ja auch keiner geholfen. Mit unzähligen Überstunden haben Sie sich nach getaner Arbeit weiterentwickelt, um sich unersetzbar zu machen. Und geben Sie doch zu, es ist ein tolles Gefühl von Mitarbeitern, anderen Vorgesetzten und auch Kunden gebraucht zu werden.

 

Fortsetzung – Führungsfehler – So treiben Chefs mit System Ihre Mitarbeiter in den todsicheren Burnout!

September 2017 / Online Ausgabe
Sie haben eine richtige und wichtige Entscheidung getroffen und nach reichlicher Abwägung einen Mitarbeiter eingestellt, der Ihnen als Burnout-Chef weder fachlich noch menschlich das Wasser reichen kann.

 

Führungsfehler – So treiben Chefs mit System Ihre Mitarbeiter in den todsicheren Burnout!

August 2017 / Online Ausgabe
Burnout-Chefs leben auf der Überholspur: Burnout-Chefs leben unter der Diktatur des Adrenalins. Burnout-Chefs suchen immer den neusten Kick und das nicht nur im beruflichen Umfeld. Selbst in der Freizeit.

 

Menschlichkeit 4.0 = Mehr Präsenz und Wirkung im digitalen Zeitalter

August 2017 / Online Ausgabe
Paul steht am Fenster. Er sehnt sich inniglich seine Kinder öfters zu sehen. Er fühlt sich alleine. Tränen kullern über sein Gesicht. Seine Kinder besuchen ihn kaum. Diese haben gute Jobs in der digitalisierten Welt.

 

Chefsache Beitrag: Humane Führungsintelligenz

Juli 2017 / Online Ausgabe
Gesundheit wird künftig als Produktivitätsfaktor innerhalb von Unternehmen betrachtet werden. Es wird auch ein Messfaktor im direkten Wettbewerb sein. Dies wird weitreichende Auswirkungen für das Verständnis von nachhaltiger Leistung und die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Management voraussetzen.

 

Führungsintelligenz – Umsetzungsmöglichkeiten

Erstens: Gesundheitsförderung ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.

20. März 2017.
Die Erkenntnis ist nicht neu, dass motivierte und gesunde Mitarbeiter das Erfolgsrezept für wirtschaftlichen Erfolg sind. Weiter wird die arbeitende Belegschaft in den kommenden Jahren immer älter. Die Führungskräfte haben daher dafür zu sorgen, dass gerade die älteren Arbeitnehmer dennoch fit und motiviert sind. Aber auch die jüngeren Beschäftigten trifft es, sie haben oft mit doppelten Belastungen zu Hause und bei der Arbeit zu kämpfen.

Die Gesunderhaltung der Mitarbeiter umfasst auch alle Tätigkeitsfelder und sollte im BGM, dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, beschrieben sein. Je nach Branche vom typischen Schreibtischmitarbeiter, der es „im Rücken hat“, bis hin zu schwerer körperlicher Arbeit, etwa auf dem Bau. Keine Branche darf ausgelassen werden, es gibt überall Verbesserungspotenzial, auch bei den psychisch sehr belastenden Berufen wie im Fall der Ärzte, Psychologen oder Pflegeberufe.

Der Unternehmer und auch die Führungskraft müssen künftig Impulse geben, Angebote machen und ihre Mitarbeiter motivieren, an gesundheitsförderlichen Aktivitäten teilzunehmen. Ohne das Engagement der Chefs geht es nicht. Letztlich sind sie für ihre Mitarbeiter ebenso verantwortlich wie für neue Produkte oder Verfahren. Nach wie vor sind die Mitarbeiter das größte und wertvollste Gut in Unternehmen. Leider vergessen das viele Manager immer wieder. Deshalb müssen Sie als Führungskraft künftig dabei helfen, dass Ihr Personal fit bleibt – im Geiste wie auch körperlich. Der Einsatz zahlt sich unmittelbar aus in Form von niedrigeren Krankenständen, größerer Motivation, geringerer Fehlerrate, höherer Qualität, mehr Produktivität und schlussendlich in Form von mehr Gewinn.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind besonders herausgefordert. Sie verstecken sich hinter Ausreden wie wenig Zeit, knappe Ressourcen und das Tagesgeschäft drängt. Aber auch diese Unternehmen können gewinnen. Studien, wie die vom Institut Herdecke, gehen davon aus, dass der „Return on Investment“ betrieblicher Gesundheitsförderung zwischen drei und sieben Euro je eingesetztem Euro liegen kann. Wie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zahlt sich das Gesundheitsengagement monetär aus.

KMU brauchen aber häufig noch die richtigen Ansprechpartner und praktische, einfache Instrumente, die ihnen schnell weiterhelfen. Unternehmerverbände, IHKs, die gesetzlichen Krankenkassen, die Unfallkassen oder auch private renommierte Dienstleister können weitere Hilfe bieten.

Die Führungskräfte von morgen müssen selbst fit sein und vorausschauend handeln. Nur so können sie überleben und betriebliches Gesundheitsmanagement gehört dazu. Auch wenn Sie als Unternehmer nicht alles beeinflussen können und die Einflüsse auf die Gesundheit vielfältig sind, gilt: Schauen Sie nicht weg, Sie können unterstützen, hinschauen und oft mit einfachen Mitteln viel bewirken. Diese Möglichkeit sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Sie sind Unternehmer und nicht Unterlasser.

Zweitens: Führungskräfte können die psychische Gesundheit fördern.

In Deutschland fehlen immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz. Inzwischen gehen ca. 13 % aller AU-Tage auf psychische Erkrankungen zurück. Diese Erkrankungen führen häufig zu besonders langen Krankschreibungen und sind seit mehr als zehn Jahren Hauptgrund für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. So wurden laut einer Recherche des Bayerischen Rundfunks im Jahr 2011 in Bayern 70 000 Arbeitnehmer aufgrund von psychischen Erkrankungen frühverrentet.

Es ist selbsterklärend, dass dieses Krankheitsbild die Leistungsfähigkeit und Motivation der Beschäftigten beeinflusst. Führungskräfte stehen damit vor der neuen Herausforderung, Leistungseinschränkungen und Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen präventiv zu vermeiden oder nach Eintritt zumindest zu begrenzen. Die psychische Gesundheit wird durch eine Vielzahl von internen und externen Faktoren beeinflusst. Das heißt, nicht immer sind die Ursachen im beruflichen Umfeld zu suchen, oft hängen die Belastungspunkte auch mit dem privaten Umfeld zusammen. Die Führungskraft muss mehr sein als wiederum nur ein Vorgesetzter. Die Kunst liegt hier in dem salutogenem Ansatz. Das heißt: Die Gesundheit fördern anstatt die Krankheit zu heilen. Wussten Sie zum Beispiel, dass im alten China die Ärzte danach bezahlt wurden, wie lange der Kaiser gesund war? Diese Methode sollte man doch mal in Deutschland der Gesundheitspolitik vorschlagen. Ich würde mich nicht wundern, wenn dadurch die Krankheitskosten massiv gesenkt werden könnten.

Drittens: Die psychische Gesundheit ernst nehmen.

Psychische Erkrankungen können jeden treffen, egal ob Angestellter, Führungskraft oder Unternehmer. Wichtig ist auch: Psychisch kranke Menschen sind weder Arbeitsverweigerer noch Versager. Gegen psychische Krankheiten hilft keine Willenskraft. Denn wo ein Wille ist, ist noch lange kein Weg oder Gebüsch. Gerade beim Burnout erkranken nicht selten diejenigen, die sich beruflich und privat zu viel zugemutet haben. Die gebrannt haben, die Feuer und Flamme für etwas gewesen sind. Ausbrennen ohne Brennen geht nicht, merken Sie sich das. Sehr oft trifft es leider Menschen, bei denen man es eigentlich nicht vermutet hätte. Aussagen wie „Dem ging es ja gestern noch spitze, der war letzte Woche noch in New York“ sind keine Seltenheit. Dennoch werden psychische Erkrankungen gesellschaftlich nicht so ernst genommen wie körperliche Erkrankungen. Außer man ist berühmt. Die Gesellschaft unterscheidet leider zwischen berühmt und nicht berühmt. Heiße ich Rangnick, Enke oder Meckel, dann darf ich eine psychische Erkrankung haben, dann habe ich etwas geleistet, die Gesellschaft hat Bedauern oder Mitleid mit einem. Heiße ich Meier, Müller oder Schmitt und bin nicht berühmt, dann war ich leider der Aufgabe nicht gewachsen.

Viertens: Sich über die psychische Gesundheit informieren.

Stellen Sie sicher, dass in Ihrem Unternehmen offen über psychische Belastungen und psychische Erkrankungen gesprochen wird, und zwar unabhängig von Macht und Hierarchie. Hier sind Betriebsräte und Personalentwickler geeignete Ansprechpartner. Binden Sie diese Berufsgruppen frühzeitig ein und seien Sie als Führungskraft dabei ein gutes Vorbild. Achtsamkeit und offene Kommunikation bieten die Chance, psychischen Erkrankungen frühzeitig vorzubeugen oder rechtzeitig Rat bei einer Fachinstanz aufzusuchen. Informationsmaterial über psychische Gesundheit gibt es z. B. bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bei vielen Gesundheitskassen oder auch bei Gesundheitsverbänden.

Fünftens: Die Widerstandskräfte stärken.

Sehr wirksam ist auch, die Widerstandsfähigkeit der Beschäftigten gegen psychische Belastungen zu stärken. Nochmals, die Gesundheit zu fördern ist besser als die Krankheit zu heilen. Dazu gehören spezifische Angebote wie präventive Achtsamkeits-, Stress-, Ernährungs- oder Konfliktbewältigungstrainings. Auch Gesundheitscoachings erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit, weil hier die Anonymität gewährleistet ist. Sorgen Sie als Führungskraft immer für ausreichende Bewegung. Halten Sie mal ein Personalgespräch im Freien ab oder führen Sie ein Meeting mal an Stehtischen durch. Solche kleinen Veränderungen wirken sich nachweislich sofort positiv auf die psychische Gesundheit aus. Die Kunst für Sie als Führungskraft besteht darin, kleine veränderbare Einheiten zu finden und umzusetzen, welche in den normalen Arbeitsablauf Ihrer Mitarbeiter integriert werden können. Überlegen Sie doch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung gemeinsam mit den Beschäftigten, wie das Arbeitsumfeld genutzt werden kann, um die Widerstandsfähigkeit des Einzelnen zu stärken.

Sechstens: Arbeitsbedingte psychische Belastungen reduzieren.

Wie können arbeitsbedingte Risiken für die psychische Gesundheit im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements verringert werden? Haben Sie in Ihrem Unternehmen schon mal eine Gefährdungsanalyse veranlasst? Zunächst werden arbeitsbedingte psychische Belastungen identifiziert. Die einfachste Methode, das zu tun, ist die Erstellung eines persönlichen Stressregulierungsplans. Nach der Identifizierung werden diese Ergebnisse strukturiert und analysiert, um die Belastungen anschließend in dritter Instanz mit geeigneten Maßnahmen zu reduzieren. Die daraus resultierenden Ergebnisse können von Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Führungskräfte bis zur Umgestaltung von Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation reichen. Wieder ist es Ihre Aufgabe als Führungskraft, hier den Anstoß zu geben und das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement in die Personal- und Organisationsentwicklung zu integrieren.

Siebtens: Psychisch belastete Mitarbeiter unterstützen.

Nicht nur Betroffene, sondern auch Unternehmer und Führungskräfte müssen künftig im Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitern professionell unterstützt werden. Neben der Prävention (primär, sekundär oder tertiär) und der therapeutischen Behandlung spielt noch ein dritter Faktor eine maßgebliche und entscheidende Rolle. Es geht darum, dass Sie als Führungskraft die betriebliche Wiedereingliederung des therapierten Mitarbeiters erfolgreich mitgestalten. Leider beträgt die Rückfallquote nach Wiedereingliederung heute 60 %. Das heißt, bei zweidrittel aller Mitarbeiter verläuft die Rückkehr ins Unternehmen erfolglos. Weitere Kosten kommen auf Sie als Führungskraft oder Unternehmer zu. Nehmen Sie daher diesen Eingliederungsaspekt nicht auf die leichte Schulter.

Achtens: Die Qualität externer Unterstützungsprogramme nutzen.

Gerade zurzeit wachsen Stressreduzierer, Burnout-Experten oder Life-Balance-Trainer wie Sommerpilze nach einem warmen Regenschauer aus dem Boden. Jeder hat ein besseres, intensiveres oder wirksameres Programm. Für wen sollen Sie sich aber entscheiden? Aufgrund der Masse sinken auch sofort die Stunden- oder Tageshonorare. Psychische Belastungen sind zum Massenmarkt geworden. Prüfen Sie daher als Unternehmer oder Führungskraft ganz genau, wofür Sie Ihr Geld ausgeben. Daher:

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für das etwas Bessere zu bezahlen.“ John Ruskin (engl. Sozialreformer 1819–1900)

Wenn Sie als Unternehmer oder Führungskraft in Bezug auf die „Chefsache Gesundheit“ den geeigneten Anbieter suchen, achten Sie bei der Auftragsausschreibung und der Auftragsvergabe auf eine Reihe von Qualitätskriterien und nicht nur auf den Preis. Treffen Sie Ihre Entscheidung weise. Nur dann kann es Ihnen gelingen, Ihre Mitarbeiter durch richtige Beratung und ggf. Behandlungsempfehlungen rasch individuell zu unterstützen, und zwar ganzheitlich und nachhaltig – von der Prävention über die Therapie bis hin zur Wiedereingliederung.  Führungsintelligenz ist Chefsache.

Quelle: Chefsache Gesundheit – Der Führungsratgeber fürs 21. Jahrhundert

Führungsintelligenz – Fachkräftesicherung und -gewinnung

20. Februar 2017.
Gesundheitsbewusste Führung führt zu einer nachhaltigen und positiven Leistungsspirale und Fachkräftesicherung. Diese neue Führungsmethode stellt sowohl für Mitarbeiter und Führungskräfte als auch für das Unternehmen oder die Organisation eine Win-win-Situation dar. Organisationen punkten durch eine niedrige Krankheits- und Fluktuationsrate, ein positives Marktimage, eine bessere nachhaltige Produktivität und somit schlussendlich durch mehr Gewinn. Mitarbeiter und Führungskräfte werden punkten durch nachhaltige Leistung, kurzfristig umsetzbaren Erfolg, gesteigerte Leistungszufriedenheit, verstärkte Identifikation mit dem Unternehmen und schlussendlich vielleicht sogar auch durch mehr Gehalt und Anerkennung. Um das aber zu erreichen, muss die Gesundheitsbewusste Führungsmethode (GbFM) in drei Dimensionen umgesetzt werden.

Erstens in Bezug auf das persönliche Leistungsmanagement. Hier geht es um die gesundheitsbewusste Selbstführung der Führungskräfte und Mitarbeiter. Die Eigenverantwortung des Einzelnen steht im Sinne einer ganzheitlichen Work-Life-Balance im Mittelpunkt. Dies ist allerdings zugleich auch die schwierigste Aufgabe, denn der innere Schweinehund lässt grüßen. Sie wissen ja, die schwierigste Turnübung ist, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Genau das müssen Sie aber tun.

Zweitens in Bezug auf die gesundheitsbewusste Mitarbeiterführung. Diese fängt bei Selbstführung an. Sie können Ihren Mitarbeitern nicht gesundheitsbewusstes Handeln und Arbeiten predigen, wenn Sie selbst bei jeder kleinen und schwierig erscheinenden Situation mit dem Kopf durch die Wand rennen. Das heißt, Sie als Führungskraft müssen immer authentisch bleiben. Als Vergleich möchte ich hier nur manche Ernährungsberater nennen. Sie können kein Ernährungsberater sein, wenn Sie bei einer Körpergröße von 170 cm achtzig, neunzig oder gar über einhundert Kilogramm wiegen. Das wird Ihnen keiner Ihrer Zuhörer abnehmen. Sie können auch nicht ins Wasser springen ohne nass zu werden.

Dagegen werden gesundheitsbewusste Führungskräfte durch ihr authentisches Verhalten die Bedingungen der Mitarbeiter für nachhaltige Leistung positiv beeinflussen. Eine wesentliche Rolle spielen hierbei unter anderem die soziale Zuwendung, die Anerkennung und Wertschätzung, eine offene Kommunikation und konstruktive Konfliktlösung, aber auch ein Entscheidungsspielraum und teamorientierte Mitbestimmung sowie Fachkräftesicherung. Bei diesen Aufgaben ist es wichtig, dass die Führungskräfte persönlich nicht alleine gelassen werden. Sie brauchen einerseits Hilfe und Unterstützung von ihren eigenen Vorgesetzten, also vom Chefchef und so weiter, und andererseits auch professionelle Hilfe von erfahrenen externen Ratgebern und Coaches. Studien zeigen: Je psychisch gesünder eine Führungskraft ist, desto größer sind ihre Erfolge oder auch anders ausgedrückt, mit weniger Misserfolgen ist zu rechnen.

In diesem Sinne werden psychisch gesunde Führungskräfte auch die Rahmenbedingungen ihrer Mitarbeiter leistungsbewusster gestalten. Letztendlich geht es auch darum, eine Führungspersönlichkeit zu sein und nicht nur ein Vorgesetzter. Führung muss man lernen und Führung funktioniert heute anders. Hierarchie-, Angst- und Machtführung haben ausgesorgt. Der neue Ansatz heißt personenkonzentriertes Führen, bei dem der Mitarbeiter präventiv durch Ehrlichkeit, Loyalität und Vertrauen motiviert wird. Es wird eine Grundhaltung gefördert, welche die Basis für ein leistungsorientiertes, aber gesundheitsbewusstes Arbeitsumfeld bildet, auf der Grundlage von eigener Kongruenz und Akzeptanz sowie Empathie. Und glauben Sie mir, am Anfang werden Ihre Führungs- und Managerkollegen Sie belächeln, vielleicht legen sie Ihnen auch Steine in den Weg. Spätestens wenn Sie zwei Quartale nacheinander Ihre Produktivität gesteigert haben und Ihre Gewinne in den Orbit zielen, will man Ihnen nacheifern. Aller Anfang ist schwer. Sie wissen ja, wenn ich als Landwirt im Herbst Getreide ernten will, muss ich im Frühjahr säen, dazwischen das Feld bestellen, pflegen und wässern. Nur dann habe ich Aussicht auf eine ertragreiche Ernte.

Daraus folgt drittens die gesundheitsbewusste Entwicklung der Organisation. Inzwischen in der Top-Führungsetage angekommen, wird nun die Gesundheitsbewusste Führungsmethode (GbFM) als Erfolgsfaktor in der Unternehmensvision verankert. Jetzt können Sie starten.

Einführung der gesundheitsbewussten Fachkräftesicherung

Die Einführung kann nur unter einem Gesichtspunkt erfolgen, „Top-Down“. Wenn sich die Unternehmensführung nicht verpflichtet, Sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen, lassen Sie es sein. Sie werden scheitern. Lapidar werden die Mitarbeiter sagen: „Wenn die da oben nicht mitmachen, warum sollen wir es dann tun?“ Schon sind wir wieder beim Thema Selbstverantwortung. Mitarbeiter werden es nicht tun, wenn ihre Vorgesetzten nicht mitmachen. Daher schauen Sie, dass Sie Ihre Unternehmensführung dafür gewinnen, mehr noch, begeistern können. Gelingt es Ihnen, diese Begeisterung in der Top-Führungsetage zu wecken und auch die Top-Manager dafür zu gewinnen, dann stehen Ihnen alle Türen offen und Sie werden erfolgreich. Wenn nicht, dann haben Sie nur die Möglichkeit, es abteilungsbezogen durchzuführen. Für Ihre Abteilung, unabhängig von den Nachbarabteilungen. Dieser Weg wird steinig und hart, aber aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen: Es lohnt sich. Besondere Wichtigkeit kommt aus gelebter Veränderung.

Tödlich ist es auf alle Fälle, wenn lediglich ein neues Etikett „Gesundheitsgeprüft“ aufgeklebt wird. Leider kenne ich viele, auch große internationale Konzerne, die das machen. Nicht jede Rückenschule, nicht jede Yoga-Stunde ist gesundheitsbewusstes Führen. Aus Alt mach Neu funktioniert hier leider nicht.

Gesundheitsbewusste Führung muss als Erfolgsfaktor im Leitbild des Unternehmens verankert werden. Nun gilt es durch intensive Schulungen der Führungskräfte einen Kulturwandel zu vollbringen. Dass sich das lohnt, hat die London Underground bewiesen. Seit der Einführung von gesundheitsbewusster Führung konnten jährlich die Personalkosten um 455 000 Pfund reduziert werden, ohne einen Mitarbeiter zu entlassen.

Wie das im Einzelnen umgesetzt wird, ist von Unternehmen zu Unternehmen, von Führungskraft zu Führungskraft unterschiedlich. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Sie müssen den für Sie sichersten und effektivsten Weg suchen. Wichtig aber ist: Das Ziel muss klar definiert sein. Ziele sind immer so zu wählen, dass sie messbar und erreichbar sind, aber was erzähle ich Ihnen, das wissen Sie selbst. Eine besondere Chance für Sie liegt aber auch darin, den Paradigmenwechsel, also hin zur gesundheitsbewussten Führung, in die Führungskräfteausbildung zu integrieren und damit im Selbstverständnis zukünftiger Führungskräfte zu verankern. Einige Firmen haben das bereits getan.

Fachkräftesicherung: Ansporn und Vorteile für Unternehmen

Nach Umfragen der DIHK sehen viele Betriebe im Fachkräftemangel eine gravierende Gefahr für ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung. Jede Branche ist mittlerweile davon betroffen, nicht nur die Dienstleistungsbereiche in der Gesundheitswirtschaft wie Ärzte, Psychologen oder Pfleger. Es wird Zeit zu handeln, also packen Sie, die Unternehmer und Führungskräfte, es endlich an. Machen Sie das Beste aus der Situation, um dem Fachkräftemangel und der dadurch zunehmenden Belastung kreativ zu begegnen.

Niemand hindert Sie daran, aktiv nach neuen Absatzmärkten und Arbeitskräften zu suchen, auch nicht im Ausland. Ist es aber nicht besser, durch Fachkräftesicherung das heimische Fachkräftepotenzial zunächst effektiver und gesundheitsbewusster einzusetzen?

Unternehmen müssen sich zukünftig mit vielen Aspekten der Personalpolitik befassen, die früher eher Nischenthemen waren, wie zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch das betriebliche Gesundheitsmanagement. Lange Zeit unbeachtet, heute aber ein wichtiges Einstellungskriterium. Wussten Sie, dass bereits 90 % der mittelständischen Unternehmen flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anbieten? Dieses Engagement entscheidet immer häufiger darüber („Tue Gutes und berichte darüber“), ob potenzielle Bewerber in ein Unternehmen gehen, dort bleiben und auch nach einer Familienpause wieder zurückkommen. Gerade jetzt, wo die Bundesregierung jeden Betriebs-Kita-Platz massiv finanziell fördert, ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. So bekommt jedes Unternehmen, das 10 Betriebs-Kita-Plätze schafft, 96 000 Euro Zuschüsse vom Staat. Dazu kommen noch die freiwilligen Beiträge der Eltern. So kommen locker und leicht 150 0000 bis 200 000 Euro zusammen.

Natürlich können Unternehmen nicht alles alleine stemmen und nicht jedes von den Beschäftigten gewünschte Angebot ist immer machbar. Aber dafür gibt es ja Ratgeber und Experten für das jeweilige Aufgabengebiet. Oft führen auch Kooperationen zum Erfolg in der Fachkräftesicherung. So gibt es diverse Industriegebiete, in denen sich alle dort ansässigen Firmen einen Kindergarten teilen. Warum solche Kooperationen nicht auch in Bezug auf gesundheitsbewusstes Führen eingehen? Der Einsatz wird sich lohnen, die Mitarbeiter fühlen sich gewürdigt, wertgeschätzt, gut aufgehoben und sind motivierter. Sie haben verstanden. Führungsintelligenz ist Chefsache.

Quelle: Chefsache Gesundheit – Der Führungsratgeber fürs 21. Jahrhundert